Mehr Achtsamkeit im Alltag: Der Schlüssel zum Glück

tosendes Meer

Achtsamkeit“ wird häufig mit „auf der Hut sein“ oder „vorsichtig sein“ verwechselt. Aus Sicht der östlichen Lehren geht es bei Achtsamkeit aber um etwas ganz anderes – nämlich darum, die Illusionen des Lebens abzustreifen und ganz im Hier und Jetzt zu leben.

Auch die Gleichsetzung des Begriffs mit „Aufmerksamkeit“ ist nicht korrekt. Während „Aufmerksamkeit“ in der Regel als Synonym für Konzentration oder Interesse verwendet wird, geht es bei der Achtsamkeit darum, seine Aufmerksamkeit ausschliesslich auf den gegenwärtigen Moment zu richten. Achtsamkeit ist im Unterschied zu Aufmerksamkeit niemals wertend. Des Weiteren ist Achtsamkeit immer mit einer Absicht verbunden: Man entscheidet sich bewusst dazu, einen bestimmten Augenblick achtsam zu erleben. Wer achtsam ist, braucht weder etwas zu erreichen noch etwas Besonderes zu tun. Man nimmt einfach nur wahr – mit allen Sinnen.

Ungetrübte Wahrnehmung des Augenblicks

Im Buddhismus wird Achtsamkeit als ein ungetrübtes Bewusstsein für den Augenblick verstanden. Alles, was im Inneren und im Äusseren passiert, wird mit grösster Wachsamkeit wahrgenommen. Selbst flüchtige Eindrücke wie eine wohlschmeckende Erdbeere werden von Menschen, die mit einer gesteigerten Achtsamkeit durchs Leben gehen, als Bereicherung empfunden. Dies wäre übrigens auch dann der Fall, wenn die Erdbeere sauer schmeckte oder unverhältnismässig klein wäre. Unter dem Strich wäre das Leben desjenigen, der die Beere gekostet hat, leerer und unerfüllter gewesen, wenn er auf den Genuss verzichtet hätte.

Achtsamkeit bedeutet, situationsgerecht zu agieren

Die weitaus meisten Menschen, insbesondere im westlichen Kulturkreis, leben ihr Leben in der Illusion der Vergangenheit. Man hängt dem nach, was man in früheren Zeiten erlebt hat, und projiziert diese Erlebnisse in die Gegenwart. Gleichzeitig träumen viele Menschen von einer besseren Zukunft, die ihnen vor allem von Seiten der Politik immer wieder versprochen wird. Eingehalten werden derartige Zusagen jedoch so gut wie nie. Achtsamkeit bedeutet, sich von derartigen Strukturen zu befreien und zu erkennen, welche Gelegenheiten sich im Hier und Jetzt bieten. Der achtsame Mensch ist stets in der Lage, situationsgerecht zu agieren und souveräne Entscheidungen zu treffen.

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Achtsamkeit bedeutet auch, sich aus alten Zwängen zu befreien

Alte Ideologien und Lebenslügen über Bord werfen

Wer achtsam ist, nimmt seine Umwelt ohne ideologische Scheuklappen wahr. Anstatt wie bisher alle Dinge auszublenden, die nicht in das eigene Weltbild passen, beobachtet man das Geschehen, ohne eine Wertung vorzunehmen. Auf diese Weise erhält man völlig neue Einsichten und erkennt, dass man viel zu lange in unnatürlichen, von anderen aufoktroyierten Strukturen gefangen war. Wenn man dieses geistige Niveau erreicht hat, haben Lebenslügen keine Chance mehr. Alte Konzepte verschwinden und werden von der Wahrheit abgelöst. Diese zu erkennen, ist eines der wesentlichen Ziele der östlichen Lehren.

Achtsamkeit gegen Stress

Im Alltag hilft Achtsamkeit, das Stressniveau unter Kontrolle zu halten und Stressfaktoren als solche zu erkennen. Anstatt sich mit der Umwelt zu identifizieren, nimmt man eine beobachtende Position ein und lässt unangenehme Eindrücke und Situationen einfach an sich abprallen. Die Erfahrung zeigt, dass sich Stress, dem man am Arbeitsplatz oder anderswo ausgesetzt ist, mit erhöhter Achtsamkeit sehr gut abwehren lässt.

In der etablierten Medizin ist Achtsamkeit mittlerweile ein wichtiger Baustein moderner Behandlungskonzepte: Unter anderem werden Achtsamkeitstherapien bei der Behandlung von Borderline-Patienten eingesetzt, die unter schweren Persönlichkeitsstörungen leiden. Insbesondere im amerikanischen Raum werden derartige Therapien, die in früheren Zeiten als Esoterik abgetan wurden, zunehmend auch von Schulmedizinern anerkannt. Eine der bekanntesten Behandlungsformen ist die achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (Mindfulness-Based Stress Reduction – MBSR), die in den 1970er-Jahren von dem Molekularbiologen Jon Kabat-Zinn entwickelt wurde.